Schilddrüsenerkrankungen: Erkennen, verstehen und richtig behandeln
Die Schilddrüse steuert zahlreiche Körperfunktionen. Erfahren Sie, wie Über- und Unterfunktionen erkannt werden, welche Symptome typisch sind und welche Behandlungsmöglichkeiten Ihnen zur Verfügung stehen.
Was ist die Schilddrüse und warum ist sie so wichtig?
Die Schilddrüse ist ein kleines, schmetterlingsförmiges Organ, das sich am vorderen Hals unterhalb des Kehlkopfes befindet. Trotz ihrer geringen Größe hat sie einen enormen Einfluss auf unseren gesamten Körper: Sie produziert Hormone, die den Stoffwechsel, das Herz-Kreislauf-System, die Körpertemperatur, das Gewicht und sogar die Stimmung maßgeblich beeinflussen.
In Deutschland sind Schilddrüsenerkrankungen weit verbreitet. Schätzungen zufolge leidet etwa jeder dritte Erwachsene an einer Veränderung der Schilddrüse – viele davon, ohne es zu wissen. Als Praxis für Allgemein- und Innere Medizin in Osnabrück gehört die Diagnostik und Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen zu unseren täglichen Schwerpunkten.
Die häufigsten Schilddrüsenerkrankungen
Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
Bei einer Unterfunktion produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone. Der Stoffwechsel verlangsamt sich, was zu einer Vielzahl von Beschwerden führen kann:
- Müdigkeit und Antriebslosigkeit: Sie fühlen sich ständig erschöpft, auch nach ausreichend Schlaf
- Gewichtszunahme: Trotz unveränderter Ernährungsgewohnheiten nehmen Sie zu
- Kälteempfindlichkeit: Sie frieren häufiger als andere Menschen
- Trockene Haut und brüchige Haare: Haut und Haare verlieren an Feuchtigkeit
- Verstopfung: Die Verdauung wird träge
- Depressive Verstimmungen: Die Stimmung kann dauerhaft gedrückt sein
- Konzentrationsschwierigkeiten: Denken und Reagieren fällt schwerer
Die häufigste Ursache einer Unterfunktion ist die Hashimoto-Thyreoiditis, eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Schilddrüse angreift und das Gewebe langsam zerstört. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer.
Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
Bei einer Überfunktion werden zu viele Schilddrüsenhormone produziert. Der Stoffwechsel läuft auf Hochtouren:
- Unruhe und Nervosität: Innere Anspannung, Reizbarkeit
- Herzrasen oder Herzstolpern: Beschleunigter oder unregelmäßiger Herzschlag
- Gewichtsabnahme: Trotz normalem oder gesteigertem Appetit
- Schwitzen und Wärmeempfindlichkeit: Verstärktes Schwitzen, Hitzewallungen
- Schlafstörungen: Einschlaf- und Durchschlafprobleme
- Durchfall: Häufiger, weicher Stuhlgang
- Zittern der Hände: Feiner Tremor, besonders bei ausgestreckten Händen
Die häufigsten Ursachen sind Morbus Basedow (eine Autoimmunerkrankung) und die Schilddrüsenautonomie (eigenständig hormonproduzierende Knoten).
Schilddrüsenknoten und Struma
Knotenbildungen in der Schilddrüse sind sehr häufig und meist gutartig. Eine vergrößerte Schilddrüse wird als Struma (umgangssprachlich „Kropf") bezeichnet. Knoten können einzeln oder mehrfach auftreten und verschiedene Ursachen haben:
- Jodmangel (historisch häufig in Deutschland)
- Gutartige Gewebeveränderungen
- In seltenen Fällen bösartige Veränderungen
Wie wird eine Schilddrüsenerkrankung diagnostiziert?
Die Diagnostik beginnt bei uns in der Praxis mit einem ausführlichen Gespräch über Ihre Beschwerden und Ihre Krankengeschichte. Anschließend folgen gezielte Untersuchungen:
Blutuntersuchung
Der wichtigste erste Schritt ist die Bestimmung der Schilddrüsenwerte im Blut:
- TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon): Der zentrale Steuerungswert – erhöht bei Unterfunktion, erniedrigt bei Überfunktion
- fT3 und fT4 (freie Schilddrüsenhormone): Zeigen die tatsächliche Hormonproduktion
- Schilddrüsen-Antikörper (TPO-AK, TRAK): Weisen auf Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto oder Morbus Basedow hin
Ultraschalluntersuchung
Die Schilddrüsensonographie ermöglicht eine schmerzfreie Darstellung der Schilddrüse. Dabei lassen sich Größe, Struktur und eventuelle Knoten beurteilen. Diese Untersuchung führen wir direkt in unserer Praxis durch.
Weitere Diagnostik
Bei auffälligen Befunden können weitere Untersuchungen erforderlich sein, beispielsweise eine Szintigraphie (nuklearmedizinische Untersuchung) oder eine Feinnadelpunktion zur Gewebeuntersuchung. Hierfür überweisen wir Sie an spezialisierte Fachkollegen.
Behandlungsmöglichkeiten
Behandlung der Unterfunktion
Die Schilddrüsenunterfunktion lässt sich in den meisten Fällen gut und einfach behandeln: Durch die tägliche Einnahme von L-Thyroxin (einem synthetischen Schilddrüsenhormon) werden die fehlenden Hormone ersetzt. Die Dosierung wird individuell angepasst und durch regelmäßige Blutkontrollen überprüft.
Wichtige Hinweise zur Einnahme:
- Morgens auf nüchternen Magen, mindestens 30 Minuten vor dem Frühstück
- Mit einem Glas Wasser einnehmen
- Regelmäßige Einnahme ohne Unterbrechung
- Kontrolle der Blutwerte anfangs alle 6–8 Wochen, später alle 6–12 Monate
Behandlung der Überfunktion
Bei einer Überfunktion stehen verschiedene Therapieoptionen zur Verfügung:
- Thyreostatika: Medikamente, die die Hormonproduktion hemmen
- Radiojodtherapie: Gezielte Bestrahlung der Schilddrüse
- Operation: Teilweise oder vollständige Entfernung der Schilddrüse
Welche Therapie am besten geeignet ist, hängt von der Ursache, dem Schweregrad und Ihren individuellen Umständen ab.
Vorsorge und Früherkennung
Da Schilddrüsenerkrankungen häufig schleichend beginnen, ist eine frühzeitige Erkennung wichtig. Wir empfehlen:
- Regelmäßige Blutkontrollen: Besonders bei familiärer Vorbelastung oder bestehenden Autoimmunerkrankungen
- Aufmerksam auf Symptome achten: Bei anhaltender Müdigkeit, unerklärlicher Gewichtsveränderung oder Stimmungsschwankungen die Schilddrüse überprüfen lassen
- Jodversorgung sicherstellen: Verwendung von jodiertem Speisesalz, regelmäßiger Verzehr von Seefisch und Milchprodukten
- Vorsorgeuntersuchungen nutzen: Die Schilddrüse kann im Rahmen des allgemeinen Check-ups mit untersucht werden
Wann sollten Sie zum Arzt gehen?
Suchen Sie Ihre Hausarztpraxis auf, wenn Sie folgende Beschwerden bemerken:
- Anhaltende unerklärliche Müdigkeit oder Unruhe
- Unerklärliche Gewichtsveränderungen
- Sichtbare oder tastbare Vergrößerung am Hals
- Herzrasen oder Herzstolpern ohne erkennbare Ursache
- Stimmungsschwankungen oder depressive Verstimmung
Unser Angebot für Sie
In unserer Gemeinschaftspraxis an der Johannisstraße und am Salzmarkt bieten wir Ihnen eine umfassende Schilddrüsendiagnostik und -betreuung an. Von der Blutuntersuchung über die Ultraschalldiagnostik bis zur langfristigen Therapiebegleitung – wir sind Ihr Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Schilddrüse.
Vereinbaren Sie einen Termin, wenn Sie Beschwerden haben oder Ihre Schilddrüsenwerte überprüfen lassen möchten. Gemeinsam finden wir die beste Lösung für Ihre Gesundheit.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt.