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Labordiagnostik in der Hausarztpraxis: Was Ihre Blutwerte verraten

Ein Blutbild, Cholesterinwerte, Leberwerte, Schilddrüse – beim Arzt werden regelmäßig Laborwerte bestimmt. Was bedeuten diese Werte? Und wann sind Abweichungen behandlungsbedürftig? Wir erklären die wichtigsten Parameter.

PAS
Praxis am Salzmarkt25. Januar 2026 · 9 min
Labordiagnostik in der Hausarztpraxis: Was Ihre Blutwerte verraten

„Ich überweise Sie mal zum Labor" – diesen Satz kennen die meisten von uns. Doch was steckt hinter den vielen Zahlen und Abkürzungen auf dem Laborbericht? Und warum werden bestimmte Werte immer wieder kontrolliert? In unserer Hausarztpraxis am Salzmarkt nehmen wir uns die Zeit, Ihre Ergebnisse zu erläutern und gemeinsam mit Ihnen zu besprechen, was sie für Ihre Gesundheit bedeuten.

Das Blutbild: Das „Grundgerüst" der Labordiagnostik

Das große Blutbild liefert einen umfassenden Überblick über die Zusammensetzung des Blutes. Es umfasst:

Rote Blutkörperchen (Erythrozyten) und Hämoglobin

Erythrozyten transportieren Sauerstoff. Sind sie zu wenig (Anämie), zeigen sich Symptome wie:

  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Blasse Haut
  • Kurzatmigkeit
  • Herzrasen

Ursachen können Eisenmangel, Vitamin-B12-Mangel, chronische Erkrankungen oder selten Bluterkrankungen sein.

Weiße Blutkörperchen (Leukozyten)

Sie sind Teil des Immunsystems. Erhöhte Werte können auf eine Infektion oder entzündliche Erkrankung hinweisen. Sehr niedrige Werte können das Infektionsrisiko erhöhen.

Blutplättchen (Thrombozyten)

Wichtig für die Blutgerinnung. Zu niedrige Werte können zu verstärkten Blutungen führen.

Stoffwechselwerte

Blutzucker und HbA1c

  • Nüchternblutzucker: < 100 mg/dl normal; 100–125 mg/dl = Prädiabetes; ≥ 126 mg/dl = Diabetes
  • HbA1c: Zeigt den durchschnittlichen Blutzucker der letzten 2–3 Monate. Zielwert bei Diabetikern in der Regel < 7 %

Cholesterin und Blutfette (Lipide)

  • Gesamtcholesterin: Zielwert < 200 mg/dl
  • LDL-Cholesterin (das „schlechte"): Zielwert abhängig vom kardiovaskulären Risiko, oft < 130 mg/dl, bei Herzpatienten < 70 mg/dl
  • HDL-Cholesterin (das „gute"): Je höher, desto besser – Frauen ≥ 50 mg/dl, Männer ≥ 40 mg/dl
  • Triglyzeride: Zielwert < 150 mg/dl; erhöht bei Übergewicht, viel Alkohol oder Zuckerkonsum

Organwerte

Leberwerte

  • GOT (ASAT), GPT (ALAT): Enzymwerte, die bei Leberschädigung ansteigen (z.B. durch Alkohol, Medikamente, Hepatitis)
  • Gamma-GT (GGT): Oft erster Hinweis auf erhöhten Alkoholkonsum oder Gallenwegserkrankung
  • Bilirubin: Erhöht bei Gelbsucht (Ikterus)

Nierenwerte

  • Kreatinin und Harnstoff: Erhöht bei eingeschränkter Nierenfunktion
  • eGFR (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate): Berechnung der Nierenfilterfunktion; < 60 ml/min gilt als eingeschränkte Nierenfunktion
  • Albumin im Urin (Mikroalbuminurie): Frühzeichen einer Nierenbeteiligung bei Diabetes oder Bluthochdruck

Schilddrüse

  • TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon): Wichtigster Screeningwert; erhöht bei Unterfunktion, erniedrigt bei Überfunktion
  • fT3 und fT4: Bei auffälligem TSH zur weiteren Abklärung
  • Anti-TPO und Anti-Tg: Bei Verdacht auf Autoimmunthyreopathie (z.B. Hashimoto)

Entzündungsmarker

  • CRP (C-reaktives Protein): Erhöht bei Infektionen und Entzündungen – hilft, bakterielle von viralen Infekten zu unterscheiden
  • BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit): Unspezifischer Entzündungsmarker

Vitamine und Spurenelemente

  • Vitamin D (25-OH-D3): Mangel sehr verbreitet in Deutschland, besonders im Winter. Wichtig für Knochen, Immunsystem und Stimmung
  • Vitamin B12: Wichtig für Nerven und Blutbildung; Mangel bei veganer Ernährung oder Magenerkrankungen
  • Ferritin (Eisenspeicher): Niedrig bei Eisenmangel; oft Ursache von Erschöpfung und Haarausfall
  • Magnesium: Bei Muskelkrämpfen, Herzrhythmusstörungen

Wann sind Abweichungen behandlungsbedürftig?

Laborbefunde müssen immer im klinischen Kontext bewertet werden. Ein leicht erhöhter Wert ist nicht automatisch behandlungsbedürftig. Erst das Gesamtbild – Ihre Beschwerden, Ihre Vorgeschichte, Ihr Lebensstil – ergibt zusammen mit den Laborergebnissen die richtige Diagnose.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie oft sollten Laborwerte kontrolliert werden? Bei gesunden Erwachsenen alle 1–3 Jahre im Rahmen des Check-ups. Bei chronischen Erkrankungen (Diabetes, Bluthochdruck, Nierenerkrankung) alle 3–6 Monate.

Muss ich nüchtern zur Blutentnahme? Für optimale Ergebnisse bei Blutzucker und Blutfetten ja – mindestens 8–12 Stunden Nahrungskarenz. Wasser und Medikamente (sofern nicht anders angeordnet) dürfen genommen werden.

Was bedeutet, wenn ein Wert außerhalb des Referenzbereichs liegt? Referenzbereiche sind statistische Normbereiche von 95 % gesunder Menschen. Liegen Ihre Werte knapp außerhalb, ist das nicht automatisch besorgniserregend. Wir interpretieren die Ergebnisse gemeinsam mit Ihnen.


Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Diagnose. Laborwerte sollten immer von einem Arzt im Kontext Ihrer individuellen Gesundheitssituation bewertet werden.

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